2004

By 20. Oktober 2013Presse

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2004……………..Kölner Stadt-Anzeiger 2004-09-30

 SKULPTURENSCHAU IM SÜDEN: Kunst für einen Tag im Vorgebirgspark

 „Ich steh nur da, weil ich soll.“

 Fette Beute hing im Netz und unter Büschen krächzte es aus Lautsprechern. Bei der fünften Ausstellung im Vorgebirgspark spielte die Illusion die Hauptrolle. Echt war nur der Schäfer samt Herde.

 Raderthal – „Was ist das nur, das große, braune, pelzige Ding, das da gefangen im Netz zwischen zwei Bäumen hängt und zum Hinschauen provoziert? Ist es lebendig oder erlegt? Hin und her gerissen ist der Betrachter zwischen Mitleid und seltsamer Beklemmung. „Da hängt ein Bär in der Hängematte“, entfährt es spontan dem Steppke, der zufällig des Weges kommt und beinah vom Rädchen fällt ob der surrealen Situation. Er ahnt nicht, dass er sich mitten in einer Kunstausstellung befindet und ungewollt zum Kunstkritiker wird.

Wieder einmal hatte sich – wie gewöhnlich nur für einen Tag – der Vorgebirgspark an der Kreuznacher Straße in einen wundersamen Kunstraum verwandelt auf Initiative der „IG Kunst im Park“, zum fünften Mal bereits seit 1999. Drei Kölner Künstlerinnen und ein Künstler hatten extra für die historische Grünanlage neue Werke geschaffen und in Beziehung gesetzt zum natürlichen Raum. Frauke Wilken ist die Schöpferin des braunen, prallen Monstrums, das sich als Kuscheltier entpuppt, wenn einer sich traut, es zu streicheln. „Deichmörder“ hat sie selbst ihre abstrakte, mit Styropor gefüllte Plastik genannt in Anlehnung an die Bisamratte, die häufig so bezeichnet wird. Daneben krächzt es aus Lautsprechern unter Büschen. Die Kratzgeräusche stammen von dem Zeichenstift, mit dem der Künstler Klaus Osterwald die Grundriss-Linien des Parks nachgezogen hat. Mit seiner Klanginstallation imitiert er quasi akustisch den Entwurfsplan des Gartenarchitekten Fritz Encke, der vor gut 90 Jahren den Vorgebirgspark erschaffen hat. „Wir wandeln auf dem Zeichenblatt des Architekten“, erklärt Gerhard Kolberg vom Museum Ludwig das geräuschvolle Werk. Er erläutert auch das „Liegende Bild“ der Künstlerin Nora Schattauer. Sie lässt die reflektierende Wasseroberfläche des Teichs im Rosengarten zum flüssigen Bildträger werden. Sog und Strudel sorgen für Bewegung und Linienbildung und letztlich fürs schnell vergängliche Gemälde.

Mit Fressen und Gefressen werden befasst sich dagegen die Künstlerin Bettina Gruber und sie räumt auf mit dem Märchen vom bösen Wolf. Nein, die eigentliche Gefahr fürs Schaf ist der Mensch, und so lässt sie hinter weißen Tüchern als Schattenriss nicht nur den Isegrim tanzen, sondern auch menschliche Gespenster. Die echten Schafe freilich nehmen`s gelassen. Sie grasen vor sich hin und kümmern sich kaum um die Kunst, und auch der leibhaftige Schäfer Florian Schmidt hat nur wenig mit derselben am breitkrempigen Hut: „Ich steh nur da, weil ich soll.“

Zur Interessengemeinschaft „Kunst im Park“ gehören Vertreter vom Grünflächenamt und Kulturamt, aber auch die Moltkerei Werkstatt oder die Fuhrwerkswaage Kunstraum. Die IG arbeitet uneigennützig und in Eigenregie. Es soll einerseits Kunst in die Vororte gebracht werden, andererseits soll damit die im Jahr 1914 geschaffene Parkanlage ins Interesse der Bevölkerung gerückt werden.

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Der sieben Meter lange „Deichmörder“ von Frauke Wilken provoziert und verwirrt und zwingt die Betrachter regelrecht, sich einen eigenen Reim zu machen auf das pelzige Etwas im Netz. (Bild: Süsser)

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Wo ist sie nur, die Kunst? Das Schäfchen schaut hinter die Kulissen und sucht nach derselben. Dabei ist das Lamm selbst ein Teil des Gesamtwerkes von Bettina Gruber.

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2004………………..Kölnische Rundschau2004-10-09

Märchenhaftes und Groteskes verknüpft

Vorgebirgspark wurde bei Ausstellung für einen Tag zu einer Open-Air-Oase der Kunst

von Lydia Keck

 RADERBERG. Es schien fast, als sei Gartenbauarchitekt Fritz Encke selbst anwesend Di© Besucher der Ausstellung .Vorgebirgspark Skulptur fühlten sich durch die akustische Installation von Künstler Klaus Osterwald wie auf einem Zeichenbrett von Encke, der den Vorgebirgspark vor gut 90 Jahren entworfen hat.

 Osterwald, der mit drei weiteren Kunstlern Installationenim Vorgebirgspark präsentierte, hatte in den Ecken der Anlage acht Lautsprecherboxen installiert, so dass rund um den Park das Kratzen eines Bleistifts auf einem Zeichenbrett zu hören war Für jeden Besucher entstand eine Situation, die wahrhaftig die Fantasie anregte .Mich hat es gereizt, die Entstehung dieses Parks in meine Arbeit zu bringen. Fritz Encke imaginär präsent werden zu lassen, so OsterwaldIm einem der insgesamt vier Parkabschnitte hatte Nora Schattauer drei kleine Fontänen in einem Teich installiert Dadurch sollte das ruhige Gewässer, ein .liegendes Bild“, in Bewegung gebracht werden .Wasser ist etwas, was Kraft hat Ich wollte durch minimale Eingriffe eine künstlerische Parallele zur Natur bilden. Das Bild schwimmt weg löst sich auf“

 Schon seit fünf Jahren gehört die Ausstellung .Vorgebirgspark Skulptur zu den besonderen Highlights im Kölner Süden .Die Besonderheit dieser Veranstaltung ist, dass sie eben nur an einem Tag zu sehen ist, so Dr. Joachim Bauer vom Grünflächenamt 24 Stunden lang verwandelte sich die Grünfläche unter Organisation der Interessengemeinschaft Kunst im Vorgebirgspark in eine Open-Air-Galerie. Die frühere Bezirksvorsteherin Gabriele von Dombois Reinhard Thon von der IG Kunst tm Park und Dr. Gerhard Kolberg vom Museum Ludwig eröffneten das Kunst-spektakel. Wie in den Vorjahren. wurden wieder mit großem technischem Aufwand die Kunstobjekte mit der Natur verschmolzen. Historisches. Groteskes und Märchenhaftes miteinander verknüpft.

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An einen gefangenen Dinosaurier erinnert diese Skulptur bei der Ausstellung Vorgebirgsparkskulptur (Foto: Keck)

von Ulrike Süsser

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2004——————————–StadtRevue2004-09

 A WALK IN THE PARK

 Kunst für einen Tag im Vorgebirgspark

 Temporäre Installationen können überaus beeindruckend sein,-zumal wenn sie ortsspezifisch sind.Seit 1999 gibt es, meist wenn esseptembert, im Vorgebirgsparkteils sehr aufwändige Arbeiten fürkurze Zeit zusehen. Sie sollenimgemäß dem Wunsch der Initiatoren von der Arbeitsgruppe »Kunst Park« (Gerhard Kolberg vom Museum Ludwig, Christian Merscheid von der Moltkerei, Jochen Heufelder vom Kunstraum Fuhrwerkswaage u.a.) nicht einer »Möblierung« der Grünanlagedienen, sondern eine Auseinandersetzung mit den vier »Räumen« der stimmungsvollen Gartensituation bieten: Die vier sogenannten Sondergärten, einst mit Skulpturenschmuck versehen, haben – anders als der übrige Park -fest umrissene Raumgrenzen.

 Am Bekanntesten ist vermutlich der begehbare »Gehörgang« geworden, mit dem Claus Bury im Jahr 2000 den Blick auf den Ort radikal verändert hat. Auch in diesem Jahr sind für den 26. September nachhaltige Eingriffe geplant: Klaus Osterwald will akustisch den Grundriss der Anlage erlebbar machen, Bettina Gruber plant Schafe weiden zu lassen, und Nora Schattauer will die Wasseroberfläche des geometrischen Beckens, dessen Umrandung im letzten Jahr von Klaus Dauven mit einem grafischen Blütenmuster versehen wurde, durch l biologische Prozesse in eine bewegte Oberfläche versetzen. In einem Areal, das an drei Seiten von hohen Bäumen und an einer Seite von Büschen begrenzt ist, wird Frauke Wilken ein etwa acht Meter langes Gebildemit zwei Seilen an Bäumen befestigen. An seiner tiefsten Stelle, in ungefähr zwei Meter Höhe, kreuzt diese Form den Weg, der quer über die Rasenfläche führt. Die Anbringungsweise dieses visuellen Störfaktors lässt an eine Hängematte denken, deren Proportionen allerdings nichts Menschliches mehr haben. Die rätselhafte eingeschlossene Form mit einer an Fell erinnernden Oberfläche wird von einem grobmaschigen Netz umfangen. Jeder Betrachter wird eigene Gedanken dazu entwickeln, was in diesem Kokon auf der Lichtung wohl ausgebrütet wird. Nichts Gefälliges -so viel steht fest, und das ist die Stärke dieser und anderer Arbeiten für einen Tag.’Wenn Interventionen so sperrig sind, bleiben sie eben nicht im Dekorativen stecken.

 Kerstin Stremmel

 Vorgebirgspark, Köln-Raderthal, Eingang Kreuznacherstr., 26.9., 11-18 Uhr. Eröffnungsrede um 11 Uhr, die Künstler werden anwesend sein. Es erscheint ein Katalog.

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Frauke Wilken, Entwurfsansicht, 2004

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