2006

By 20. Oktober 2013Presse

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2006——————————–Kölner Stadtanzeiger2006-09-30

 Ein Denkmal auf Zeit

Künstler stellten im Vorgebirgspark ihre Arbeitenaus

 Die Rosen an der Gartenlaube erblühten für einen Tag; das in den Rasen geschnittene Stück Autobahn wird sich dagegen noch eine Weile halten.

 Rderthal – Die Straßenschneise. die der Künstler Ralf Witthaus ins Grün gemäht hat. ist nicht wirklich seiner eigenen Phantasie entsprungen. Vielmehr planten in den 60er Jahren im Zuge der „autogerechten Stadt“ mehrere Kölner Ämter tatsächlich eine mehrspurige Stadtautobahn, die über den Aachener Weiher bis zum Bonner Verteiler führen sollte Die Straße wurde nie gebaut.

 Nun führte Ralf Witthaus dem Betrachter die damalige Wirtschaftswunder-Idee quasi als „vegetabiles Phantom“ vor Augen So drückte sich Gerhard Kolberg. der Oberkustos des Museum» Ludwig, bei der Eröffnung der Ausstellung Skulptur im Vorgebirgspark“ aus Mit dem Rasenmäher hatte der Künstler ein „Denkmal auf Zeit in die Landschaft gezeichnet Bald wird wieder Gras über die Sache gewachsensein. Was bleibt, ist höchstens die Erinnerung an den abwegigen „Streckenabschnitt Vorgebirgspark“.

 Zum siebten Mal diente der Gartenraum des Vorgebirgsparks als Bühne für ein mitunter ironisch vorgeführtes Zusammenspiel von Natur und Kunst. Einen Tag lang wurden im Park mannigfaltige Erlebniswelten eröffnet Ein doppeldeutig-freches WerkpräsentierteTom Koesel mit seinem „Gelato Promonte“. „Wann ist die Eiszeit zu Ende?“, fragte er den Betrachter. Der hörte aus dem Lautsprecher das knackende Geräusch schmelzender Eisblöcke. und er war überzeugt: Lang hält das Eis nicht. Während die Blöcke also vergingen, durften  die Besucher einen anderen Aspekt von Eis erleben – einen cremig-süBen und nach Johannisbeere und Stachelbeere schmeckenden: Das „Gelato Promonte“ „das Vorgebirgseis“. frisch vom Eiswagen.

 Einem Blütenrausch gab sieh die Künstlerin Ellen Keusen hin.  Das magere „Walfischgerippe einer Gartenlaube“, so Kolberg. hatte sie in einen Blumen-Iglu verwandelt und mit 4000 Schießbudenrosen bestückt. Die Kunstinteressierten schlüpften durch den niedrigen Eingang in die blühende Schießbudenrosenlaube. Herauskamen sie schmunzelnd und betört vom Plastikblumenüberfluss. „Da fehlt nur der Duft“, sagte eine Betrachterin.

 Einen verwaisten Sockel im Staudengarten hatte Ingrid Roscheck mit einem keramischen  Kunstwerk belebt und zudem mitten in den Gartenraum einen quasi-mobilen Wagen aus Keramik gestellt Der glich einem barocken Kabinettschrank und hielt beim genauen Hinschauen inspirierende Überraschungen bereit: Minifiguren, Grotten, geheime Innenwelten und verlorene Paradies. die sich freilich nur demjenigen eröffneten, der bereit war, für einen Moment dorthin zu reisen.

 Auch im nächsten Jahr soll die Kulturveranstaltung im Vorgebirgspark stattfinden, wenngleich es immer schwieriger werde, finanzielle Mittel von Sponsoren aufzutreiben, hieß es vonseiten der Initiatoren.  Die Kunstaktion – die Bezirksbürgermeisterin Monika Roß-Belkner bezeichnete sie als  „Kulturveranstaltung“ – wird seit Jahren von der „IG Kumt im Park“ initiiert, einem Team von ehrenamtlich arbeitenden Freunden von Kunst und Natur.

 Von  Ulrike Süsser

 

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Bildtext

Blumen-Iglu, Schießbuden-Rosenlaube, Flower-Power-Hütte: Man kann das Kunstwerk nennen wie man will. Farbenprächtig ist es allemal. Auch wenn die Blüten nur aus Plastik sind.

Bild: Süsser

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