2001

By 20. Oktober 2013Presse

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 Kölner Stadtanzeiger    2001-03-06

 Seite 19

 Vorgebirgspark

Stolperstein Kunst

 Die Skulptur im öffentlichen Raum

Schon 1984 setzte Claus Bury vor dem Gebäude des Landschaftsverbandes Rheinland eine begehbare Außenskulptur in den „öffentlichen Raum“. Seitdem hat der Frankfurter Künstler sich einen Namen mit großen architektonischen Holzskulpturen gemacht. Auch das 35 Meter lange Werk, das er jetzt im Vorgebirgspark an der Kreuznacher Straße zwischen Raderberg und Zollstock realisiert hat, baut auf die Faszination schlichter Holzkonstruktionen.

 Der aus zwei scheinbar identischen Elemente bestehende „Gehörgang“ erinnert sowohl an mittelalterliche Holz-Gang-Archi-tekturen als auch an moderne Bauverschalungen. Wie in ein überdimensioniertes Schlüsselloch treten die Parkbesucher durch diesen ebenerdigen, hölzernen, ab Hüfthöhe geschlossenen Tunnelgang und blicken auf die Parkanlage am jeweils anderen Ende wie durch ein begehbares Fernrohr. Da zu den Seiten der Gesichtskreis begrenzt ist, spielt das Gehör eine größere Rolle als üblich. Die Schritte vibrieren leicht auf den Holzboden; man konzentriert sich für einen Augenblick lang anders auf sich selbst.

 Die Parkanlage, die 1909 von dem namhaften, für die KölnerStadtentwicklung bedeutsamen Gartenbauer Fritz Enke errichtet wurde, in einem anderen Licht erscheinen zu lassen, lautet das künstlerische Konzept. Schmiegt sich die Kunst harmonisch in die in mehrere Zonen aufgeteilte Parkanlage ein? Oder setzt sie dort provokativ einen Stolperstein? Oder ist beides vielleicht überhaupt kein Gegensatz in Burys Kunstpräsentation? In jedem Fall ist seine Skulptur gewaltig genug, um nicht übersehen und somit nicht übergangen zu werden.

 Dagegen waren beim ersten Projekt „Skulpturen im Vorgebirgspark“, das eine Interessengemeinschaft aus Kunstraum Fuhrwerkswaage, Moltkerei Werkstatt, Stadt Köln und Museum Ludwig im vergangenen Herbst zum ersten Mal an gleicher Stelle organisierte, einige Werke sehr unscheinbar in die Parkanlage eingefügt worden. Und zwischenzeitlich fand als weitere Gemeinschaftsveranstaltung mit der Medienkunsthochschule Köln eine Klang- und Projektionsnacht mit Eva Bodemer, Julia Bodemer, Silvia Schopf und Frank Schumacher statt. (j-k.)

 Vorgebirgspark, Eingang Kreuznacher Straße, bis 31.3.

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Bildtext

 AUF DIE FASZINATION schlichter Holzkonstruktionen setzt Claus Bury mit seiner Skulptur im Vorgebirgspark.

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2001——————————Kölner Wochenspiegel    2001-10-10

 Ein Hase geht auf Angeltour

 Sechs Skulpturen in drei Gartenräumen

 Raderthal – Was macht der goldene Hase auf einer roten Säule mit einer Angelrute vor dem Teich? Wahrscheinlich erlebt er sein „Blaues Wunder“. Denn so lautet der Titel dieses Kunstwerks von Heinrich Brummack, das im Rahmen der Ausstellungsreihe „Kunst im Park“ im Vorgebirgspark zu sehen war. Bereits zum dritten Mal wird die Veranstaltung von der Interessengemeinschaft Kunst im Park organisiert.

 „Das blaue Wunder“ ist eine von sechs Skulpturen, die derzeit im wöchentlichen Wechsel in den drei Gartenräumen der Parkanlage zu sehen sind. Die anderen sind „Propeller für D“ von Viktoria Bell, „surrounded concrete“ von Christel Fetzer, „Verwechslung“ von Tina Haase, „Sockelskulptur“ von Maik und Dirk Löbbert und „Zeitvertreib“ von Paul Isenrath.

 Besonders letzteres bekam angesichts der jüngsten Ereignisse eine sehr spezielle Note. Denn „Zeitvertreib“ ist nichts anderes als ein überdimensional großer Galgenstrick, aufgehängt am Ast eines Baumes. Zu verstehen sei das Werk laut Veranstalter als ironische Bemerkung über eine jahrhundertealte Tradition, die den Schrecken und den Tod zum öffentlichen Amüsement erklärt. Früher waren es die Hinrichtungen auf dem Marktplatz, heute sind es die Bilder eines einstürzenden World Trade Centers, die millionenfach über die Fernsehschirme in der ganzen Welt flimmern.

 Wie harmlos dagegen im Vergleich der Hase mit der Angelrute. „Meinen Werken wohnt immer ein absurdes, aber durchaus heiteres Moment inne“, meint auch der Künstler. Auch das Motiv des Hasen hat Brummack bereits häufiger in seinen Arbeiten verwendet.

„Bei meinen Skulpturen kommt es mir vor allem darauf an, etwas durch und durch Anti-Pathetisches zu schaffen“. Ebenso wirkt auch der goldene Hase, der einen blauen Fisch gefangen hat.

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Bildtext:

Der Hase und der Künstler. Bildhauer Heinrich Brummack vor seiner Skulptur „Das blaue Wunder“. (Foto: Brockmann)

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2001——————————–Kunstforum          Aktionen 2001, Bd. 157

 KÖLN: VORGEBIRGSPARK

„Vorgebirgspark – Skulptur 2001“: Auch in diesem Herbst hatten Christian Merscheid (Moltkerei-Werkstatt) und Jochen Heufelder (Kunstraum Fuhrwerkswaage) ein Skulpturenprojekt für den Park von Köln-Raderthal kuratiert. Die Parkanlage wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg im damals üblichen neo-klassizistischen Gartenstil angelegt und ist in mehrere begrünte Nischen unterteilt, die im September 2001 mit temporären Skulpturen bestückt wurden. Die Beiträge von Tina Haase sowie den Gebrüdern Maik und Dirk Löbbert waren nur am Vernissagentag zu sehen. Christel Fetzer und Heinrich Brummack boten ebenfalls nur eine Ein-Tages-Ausstellung ihrer Arbeiten, und zwar zur Finissage. Lediglich die Skulpturen von Victoria Bell und Paul Isenrath verblieben die gesamte Projektdauer im Park. Die Einführung nahm Prof. Manfred Schneckenburger vor, Rektor der Münsteraner Kunstakademie. Dort hat auch Christel Fetzer jüngst ihr Studium abgeschlossen: Sie debütierte mit ihrer Projektbeteiligung in der Kölner Szene. Die Finissagenrede hielt Dr. Gerhard Kolberg vom Museum Ludwig Köln.

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