Petra Weifenbach

By 25. August 2013Künstler

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Intern. Zeichen

 „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.“ Oft wird dieser beschwörende, tückisch einfache Satz Gertrude Steins zitiert. Die Wiederholung aber verursacht eine Differenz. Die Wiederholung wiederholt nicht, was sie zu wiederholen scheint. Sie ist, durch die Wiederholung schon zu etwas anderem geworden. Sie steht an anderer Stelle, besteht aus Vorher und Nachher, zerfällt in dieses und jenes.

 Petra Weifenbach macht sich die durch Wiederholungen entstehende Kluft auf eigene Art zunutze. Ihre Arbeit Intern. Zeichen besteht aus Piktogrammen. Also jenen stark vereinfachten grafischen Darstellungen, die Informationen fast aller Art vermitteln, unmittelbar einleuchtenden Bildsymbolen, die einen all überall begleiten und leiten, die hinweisen, verbieten oder warnen. Rund zwei Dutzend dieser Zeichenbilder hat sie eigens für den Vorgebirgspark entwickelt und platziert sie in allen vier Gartenräumen der historischen Parkanlage. Manche wird man suchen müssen, einige leicht übersehen, andere springen ins Auge, wieder andere überraschen; sie alle finden zu wollen heißt auf Entdeckung in vertrautem Terrain zu gehen. Die meisten ihrer markanten rot-weißen Zeichen sind jeweils neben dem Bezeichneten angebracht. Ein Baumzeichen neben einem Baum, ein Bankzeichen neben einer Bank … das Vorhandene wird in seiner Präsenz bestätigt. Eine kleinere Gruppe der Intern. Zeichen weist auf möglicherweise Vorhandenes hin, auf einen Vogel auf einer Hecke, einen Maulwurf im Gras. Die Piktogramme der Künstlerin zeigen das Selbstverständliche, die Bestandteile des Parks, Offensichtliches und Verstecktes, Beiläufiges, Konstellationen, Strukturen, Dinge; in ihrer Gesamtheit lassen sie sich wie ein stilisiertes Inventar des Areals verstehen. An Ort und Stelle aber, neben, vor und inmitten des von ihnen Bezeichneten entsteht eine eigenartige Spannung. Nicht nur, dass alle diese unspektakulären Einzelheiten durch die auf sie hinweisenden Schilder mit einem Mal augenfällig werden, sie erhalten auch eine – freilich leer bleibende, leicht flüchtige – Aura, verwandeln sich für einen Augenblick in etwas Besonderes, ohne dass sie etwas über ihr bloßes Vorhandensein hinaus auszeichnet. Bezeichnet aber verwandeln sie sich in Schaustücke, Ausstellungsstücke, Aufmerksamkeitsobjekt, rücken sie von ihrer Banalität um eine entscheidende Winzigkeit ab und werden für einen kurzen, kaum merklichen Moment fremd. Auch mag sich in diese Aufmerksamkeit Skepsis mischen. Das volle, weithin sichtbare Rot der Piktogramme signalisiert Gefahr, es alarmiert ohne dass klar wäre, wovor gewarnt wird. Grünflächen, Mauern und Heckenecken sind so wenig gefährlich wie gefährdet. Diese Intern. Zeichen, die Wiederholung der Alltagsparkdinge in den Zeichen verwandelt das Wiederholte, die vermeintlich orientierenden, selbstverständlichen Zeichen verhalten sich subversiv und es zeigt sich beim Blick auf eine der Rosen und Petra Weifenbachs Rosenpiktogramm: eine Rose ist eine andere Rose ist eine …

Jens Peter Koerver

VITA

1961—————geboren in Geesthacht / Elbe

1983 – 88——–Studium der Freien Kunst, Hochschule für Bildende

———————–Künste Braunschweig

1989—————Diplom, Abschluss als Meisterschülerin

1989-93———Aufenthalt in Paris

Lebt und arbeitet seit 1993 in Köln

Stipendien / Preise / Wettbewerbe

2010—————Schilder am Kanal – ein künstlerisches Leitsystem

———————–Künstlerwettbewerb der Kulturhauptstadt Europas

———————–RUHR2010, Kunst im öffentl. Raum, Realisation von

———————–5 Schildern (mit Axel Siefer)

2005—————Katalogförderung durch die Kunststiftung NRW

———————-Wettbewerb „Kunst und Bau“, FH-Bonn-Rhein-Sieg,

 ———————1. Preis und Realisation Weide-Kunstpreis

———————-2005 für Fotografie, 2. Preis

1994—————Wettbewerb „Kunst am Bau“, Sparkasse Göttingen,

———————-1. Preis und Realisation

1990-91———Stipendium des DAAD für Paris

1989-90———Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, Atelierhaus Worpswede

Ausstellungen / Installationen (Auswahl)

2010—————Schilder am Kanal – ein künstlerisches Leitsystem, Rhein-Herne-Kanal (siehe oben) (I)

———————–Gabriele Münter Preis 2010,

———————–Martin Gropius Bau, Berlin und Frauenmuseum,

———————–Bonn Kunst8,

———————–Kunst an öffentlichen Orten, Braunschweig

2008—————Stadtmuseum Siegburg (E)

———————–ROTSTICH, Tuchmacher Museum Bramsche (E)

———————-Akademie der Bildenden Künste Posen, Polen (E)

———————-Stadtmuseum Beckum (E) (Kat.)

———————-Museum der Stadt Ratingen (E)

———————-multiple Manipulationen, HALLE ZEHN, CAP Cologne e.V.,

———————-im Rahmen der photoszene Köln

2008————–Kloster Bentlage, Rheine (E)

———————-Hülle in Fülle, Kunstverein Villa Streccius, Landau

2007—————Zum Sterben schön, Kunsthalle Recklinghausen

2006—————PLATZKONZERT, mehrteilige Außenarbeit, FH-Bonn-Rhein-Sieg,

———————–Rheinbach (I) Galerie Der Spiegel, Köln (E)

2005—————Köln-Quartett 05, Fuhrwerkswaage, Köln-Sürth

———————–KölnKunst, Kunststation Kleinsassen

2004—————simile & SIMIU, Galerie Der Spiegel, Köln (E)

———————–Petra’s Fest, Kunstforum HDZ NRW, Bad Oeynhausen (E)

2003—————stille Reste, Kunstverein Wunstorf (E)

2002—————nappes&twins, Gothaer Kunstforum, Köln (E mit Friedhelm Falke)

2001—————restaupomme, Außeninstallation, Kulturbahrhof Bremen Vegesack (I)

———————-Köln Kunst 6, Josef-Haubrich-Kunsthalle, Köln

1999————–Betonstickerei, Installation im Hohlkasten der Deutzer

———————-Brücke, Köln (I)

1994—————nichts mehr zu sehen und Neugier, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen (I)

(E) = Einzelausstellung, (I) = Installation

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